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 2009

 

 Rote Herzen und Wunderkerzen
"ABBA Gold" legte in Daverden eine fetzige Show hin

Von Susanne Ehrlich
 

Langwedel-Daverden. Mamma Mia, da ging auf der Freilichtbühne die Post ab! Die Londoner Band "ABBA Gold" bot dem Tief "Tommy" mit den heißen Super-Hits der 70er Jahre Paroli, und dabei wurde den rund 250 wetterfesten ABBA-Fans so richtig warm ums Herz. Verblüffend ähnliche Doubles von Agnetha, Benny, Björn und Anna-Frid sorgten für eine tolle Bühnenshow.

Wer ganz vorne saß, wurde mit "Dancing Queen", dem Titelsong der Show, gleich zu Beginn förmlich weggeblasen, denn die beiden Sängerinnen Karen Graham und Helen Fielder sind stimmlich ebenso gut ausgestattet wie ihre großen Vorbilder, und die fetten Boxen waren bis zum Anschlag aufgedreht. Neben Karen, die die Show vor fast 15 Jahren gründete, und Helen, die anstelle von Emma-Loise Jones einen Super-Job machte, stand mit Andrew Bowen ein derart "waschechter" Benny auf der Bühne, dass man sich die Augen reiben musste. Mark Stratton, das "Küken" der Show, bot nicht nur perfekt dahinschmelzende Gitarrenriffs und eine besonders schöne Kuschelrock-Stimme, sondern auch allerlei fürs Auge - optisch hätte Björn da nicht mithalten können.

Das Publikum war ganz offensichtlich von Anfang an in Partylaune; zum Mitsingen oder Tanzen ließ man sich nicht lange bitten. Besonders ausgelassen feierte eine Horde süßer "Groupies", ausgestattet mit roten Herzchen auf gelben Shirts und mit bunten Mini-Boas. In den Rängen gab es fast ebenso viel Action wie auf der Bühne, und als es richtig dunkel war, konnten sich die Londoner Gäste über ein imposantes Wunderkerzen-Leuchtfeuer freuen.

Leider hatte der tagelange Dauerregen die Veranstalter gezwungen, die teuren Instrumente unter Dach und Fach zu halten, und so agierte Andrew-Benny hinter seinem Riesen-Keyboard in einem kleinen Kabuff im Fachwerkhäuschen der Freilichtbühne. Dort zog er auf engstem Raum seine quirlige Show ab, hottete und rockte, dass die Bude bebte.

Mark-Björn hatte im Unterstand links neben den Häusern einen recht einsamen Unterschlupf gefunden und wagte sich erst in der zweiten Hälfte ab und zu mal in die Mitte. Die Band lieferte die ganze bunte Palette der ABBA-Hits in professionellem und mitreißendem Sound - ob "Honey, Honey", "Fernando" oder "Super Trouper", ob "The Winner Takes It All", "Money, Money, Money" oder "Thank you for the Music"- klanglich blieben keine Wünsche offen, und die beiden Damen boten eine tolle und authentische Tanz-Show.

Die Originalkostüme der 1970er - vor allem die allzu knappen weißen Kleidchen mit den Miezekatzen - mögen Geschmackssache sein. Hier hätte man sich doch etwas mehr Glamour vorstellen können. Und natürlich war es ein bisschen schade, dass die Band sich optisch nicht geschlossener präsentieren konnte. Aber das Publikum nahm alles, wie es war; und obwohl die leibhaftige ABBA-Generation überrepräsentiert war, sah man auch allerhand jüngere Semester die Songs aus Leibeskräften und absolut textsicher mitsingen. "Wer heute Abend nicht dabei ist, hat wirklich was verpasst", war die einhellige Meinung, und dass man auch in Regenjacken und Stiefeln so richtig abgehen kann, muss hiermit als bewiesen gelten.

Soviel Begeisterung freute auch die Akteure auf der Bühne. Nachdem sie über zwei Stunden alles gegeben und auch mit Zugaben nicht gegeizt hatten, dankte Karen dem Publikum mit echt britischem Pathos: "Wir kommen seit vier Jahren nach Deutschland, aber ihr seid die wundervollsten Leute hier. Ihr wart einfach fantastisch!"

 

Hans-Hermann Meyer steht seit 60 Jahren auf der Daverdener Freilichtbühne / Ehrung auch für Darsteller Willem Gohde

07.07.2009 · DAVERDEN (hu) "Swieneree up Hinners Hoff", so hieß es am Sonntag letztmalig auf der Freilichtbühne im Daverdener Holz. Und da das Wetter an diesem finalen Spieltag mit von der Partie war, erlebten viele Zuschauer die Ehrungen für zwei langjährige Aktivposten - Hans-Hermann Meyer und Willem Gohde - auf der Freilichtbühne mit.

Aus Bremen war der Vorsitzende des Landesverbands des Bundes Deutscher Amateurtheater, Günter Gräbner, gekommen. Er hatte die Lacher gleich auf seiner Seite, als er versuchte, die Ehrungen in Plattdeutsch vorzunehmen und dabei auch von den Zuschauerrängen Hilfe bekam. "Kommt im Oktober zum Packhaustheater nach Bremen, dann werdet Ihr sehen, dass ich nicht stottere", nahm Gräbner die sprachlichen Fehltritte humorvoll. Dann wandte er sich an Hans-Hermann Meyer, der seit 60 Jahren auf der Bühne steht, erstmals 1949 in der Daverdener Turnhalle. 32-malige Bühnenerfahrung kann er vorweisen.Eigens für ihn wurde in das Stück "Swieneree up Hinners Hoff" eine Polizistenrolle hineingeschrieben. Der Vorsitzende der Freilichtbühne Daverden, Volker Penczek, und seine Vorgängerin Heike Stegmann ehrten den 79-Jährigen mit humorvollen Worten und erinnerten an die ersten Aufführungen in der Turnhalle und im "Waldschlösschen". In seinen Paraderollen als Landstreicher war er gleich mehrmals zu sehen. Aber auch als Opa glänzte er in den Stücken "Dat Hörrohr" und "De utgelehnte Opa". Mit diesem Stück hatte er mit 72 Jahren 2002 seinen offiziellen Abschied von der Bühne gegeben, als er mit Nickelbrille und schelmischen Augen für Lachsalven sorgte. Den Hochzeitsbitter als Opa Schnieder spielte er gleich bei insgesamt drei Darbietungen und brauchte den Text zum Schluss nicht mehr zu lernen - nur die Regisseure waren immer andere, zunächst Friedel Neermann, dann Herbert Luttermann, Elfriede Ellendt und jetzt Brigitte Schönecker. Sie machten aus Hans-Hermann Meyer einen Schauspieler, der in seine Rolle schlüpft und alles gibt. Doch nicht nur auf der Bühne ist Meyer unermüdlich, bei den Baumaßnahmen war er immer dabei, aber auch, wenn es darum geht, die Waldbühne vor den Aufführungen in Schuss zu bringen. "Klor, wenn drebt wi us" kommt dann aus seinem Mund. Oft begrüßt er die Zuschauer am Eingang mit den Worten, "schön, dat schi wor dor sünd". Für 25 Jahre auf der Bühne gratulierte Günter Gräbner Willem Gohde (52), der erstmals 1984 als "junger Keerl" bei "Roland schall flegen" dabei war. Gelernt hat er die plattdeutsche Sprache perfekt zusammen mit seinem Opa, von dem er auch sonst viele lustige Döntjes und Eigenarten mit in die Bühnengruppe brachte. In den ersten Jahren waren es junge Liebhaber, die er spielte, bald folgten die Kussszenen als töffliger Knecht oder als Tippelbruder. Verkleidet als hübsche Blondine oder in der karierten Jacke des Gottlieb Wendehals, erntete er viel Beifall.Dann gab es für beide Urkunden und Ehrennadeln vom Freilichtbühnen-Verband. Von Volker Penczek und Gerd Depke, Vorsitzender des TSV Daverden, zu dem die Bühnen-Abteilung gehört, erhielten die beiden Geehrten Weingeschenke. Penczek und seine Stellvertreterin Heike Ertel überreichten Hans-Hermann Meyer zudem noch ein großes Bild von der Freilichtbühne. Denn "eine Wand hast du ja noch frei".

 Bald keine Märchen mehr auf der Erde?

Daverdener Freilichtbühne begeistert mit neuem ′Außerirdischen′-Stück / Erfrischendes Spiel wunderbar kostümierter Darsteller

 

12.05.2009 · DAVERDEN (huk) Kein Theaterbesucher konnte sich daran erinnern, dass jemals ein Raumschiff in Daverden gelandet war und Außerirdische durch den Daverdener Wald spaziert waren. Bis letzten Samstag: Da setzte ein Raumschiff mit Qualm und Getöse direkt hinter der Freilichtbühne auf - und schwupps waren "sie" da.

Die Außerirdischen nämlich und zwar in Gestalt von Roxlpix alias Nilas Junge und Rixgloxl, gespielt von Thea Henken. Diese beiden "Aliens" waren nämlich die Hauptfiguren in Edelfried Hennigs wunderbarem Märchenstück "Märchen-Haft", welches am vergangenen Wochenende im Daverdener Holz unter der Regie von Uwe Witten Premiere feierte.

Aber was in aller Welt treibt die beiden Raumfahrer vom weit entfernten Planeten Nofary ausgerechnet zum Planeten Erde und dann auch noch nach Daverden? Da stimmt doch irgendetwas nicht. Richtig! Die beiden haben nämlich einen Spezialauftrag: Weil es auf Nofary keine Märchen gibt, schickte sie ihre Überhochkanzlerin zur Erde, um dort die Märchen zu stehlen und sie ans andere Ende der Galaxie zu bringen.

Wie macht man so etwas? Am besten, dachten die beiden, verhaften wir erst einmal wahllos alles an Märchengestalten, was einem über den Weg läuft. Gesagt, getan. Ruckzuck war das Märchengefängnis voll.

 

Einziges, aber riesengroßes Problem: Einzelne Gestalten der Märchen fehlten immer, so dass ein Märchen nie komplett richtig erzählt und dargestellt werden konnte. Was nutzt einem Gretel (Hanna Seliger) ohne ihren Hänsel? Was bringt einem Rotkäppchen (Veronika Schmidt) und der böse Wolf (Volker Penczek) ohne Großmutter? Das wurde ganz besonders deutlich, als dann Rotkäppchen und der Wolf ihr Märchen vorspielen sollten und das Raubtier mangels Großmutter liebevoll über einen 250 Gramm wiegenden Hartkäseriegel und eine Flasche Pinot Grigio philosophierte, die er in Rotkäppchens Korb gefunden hatte.

Außerdem hatten alle gefangen genommenen Märchenfiguren überhaupt keine Lust, sich nach Nofary transportieren zu lassen. Da musste man sich doch etwas einfallen lassen, um die beiden Außerirdischen zu überrumpeln. Auf einmal kam ihnen ein geheimnisvoller Lockenfrosch alias Julian Ertel zu Hilfe, der in Wahrheit ein Geheimagent der Weltmärchenpolizei war. Wird er den armen verhafteten Märchenfiguren helfen können?

Als dann plötzlich eine fette Rakete im Daverdener Holz landete, wurde die Sache spannend. Die strenge Überhochkanzlerin (Heike Ertel) kam vom fernen Planeten persönlich vorbei, um nach ihren beiden Abgesandten zu schauen. Was wird sie befehlen? Werden alle Märchenfiguren ins Weltall verschleppt? Gibt es bald keine Märchen mehr auf der Erde? Was kann der mysteriöse Lockenfrosch noch erreichen? Oder gibt es für alle Märchenfiguren und damit für die Märchengeschichten auf der Erde doch noch ein "Happy-Ende"? Am besten schaut man sich das Stück, das noch am Samstag, 16. Mai, um 19 Uhr und am Sonntag, 17. Mai, um 16 Uhr für die Allgemeinheit aufgeführt wird, selbst an, um zu erfahren, wie alles ausgeht.

Die kleinen und großen Zuschauer auf der gut gefüllten Freilichtbühnen-Tribüne zeigten sich bei der Premiere begeistert von dieser Art Plädoyer für die Märchenwelt, diese eben auch in unserer schnelllebigen Zeit nicht zu vergessen. Dazu trugen das tolle Bühnenbild und die wunderbaren Kostüme bei und natürlich nicht zuletzt das erfrischende, überzeugende Spiel der Darsteller, wobei die Jüngste gerade mal sechs Jahre zählte. Vor der Aufführung und in der Pause unterhielt der Musikverein Achim unter der Leitung von Edelfried Hennig die Besucher bestens.