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2008

 

 

Verdener Nachrichten 30.06.2008

 

Tolle Komödie um Opa Meiners
Laien-Darsteller sorgten auf der Freilichtbühne Daverden für gute Unterhaltung

 

Von unserer Mitarbeiterin
Gitta Stahl

LANGWEDEL-DAVERDEN. Gewitterwolken über der Freilichtbühne am Premierenabend und Gewitterwolken über dem Hausfrieden der Familie Meiners. Die zankt sich derzeit im Daverdener Holz mit einem Problem rum, das seit alters her Familien schwer belastet: Schwerhörigkeit. Doch so, wie es am Himmel bei kleinem Gegrummel blieb, so fügt sich auch im Theaterstück auf der Bühne alles zum Guten, ausgesprochen unterhaltsam und kurzweilig.

Karl Bunje (1897 bis 1985) schrieb "Dat Hörrohr" wohl in den 50er Jahren. Und die Daverdener Laienschauspieler haben nicht versucht, es ins Hier und Jetzt zu verrücken. Warum auch? Denn an den Problemen rund um die Schwerhörigkeit, an der Technikfeindlichkeit vieler Senioren, an den Intrigen rund um Erbschafts- und Schenkungsangelegenheiten und an der Habgier von Menschen hat sich nichts geändert. Wenn der Zuschauer auch an Aussagen wie "dann schick ein Telegramm" merkt, dass er ein altes Stück sieht, so spiegelt es doch seine heutige Welt wunderbar wider.

Zündstoff für eine gute Komödie ist also reichlich vorhanden, und die Akteure stecken die Lunte sehr unterhaltsam in Brand. Unschlagbar gut Horst Cordes in der Rolle des schwerhörigen Opas, an dem die Welt fast unbemerkt vorbeizieht, bis ihm seine Enkeltochter (gespielt von Heike Schmidt) gemeinsam mit ihrem Freund Bernd (Guido Kedenburg) ein hochmodernes Hörrohr schenkt. Damit tut sich für Opa Meiners eine neue Welt auf. Das aber verschweigt er vorsorglich. Denn so lässt sich doch erst mal hervorragend lauschen.

Was er da zu hören bekommt, lässt ihm die Haare zu Berge stehen. Kein Blatt vor den Mund nimmt beispielsweise seine Schwiegertochter Bertha (Karin Sievers). Sie kommandiert ihren Gatten Jochen herum, schmiedet mit ihrer Jugendliebe Arnold Hogeback (Willem Gohde) windige Pläne, intrigiert gegen die Nichte, umschleimt aber den Opa. Günther Kothe als Jochen kommt daher, als könnte er nicht bis drei zählen. "As du meinst, Bertha" ist der Spruch, mit dem er sich aus jeder Verantwortung raushält.

Mit ähnlich wenig überzeugender Männlichkeit lässt sich auch Nachbar Tobias Quadfasel (Peter Hellwinkel) von seiner Gattin Lieschen gängeln. Diese nervige Nachbarin wird von Petra Warnke gespielt, deren Temperament der Daverdener Schauspieltruppe über manche kleine Spielschwäche hinweghilft. Dass nicht sein kann was nicht sein darf, dafür sorgt am kurzweiligen Ende Notar Fesenfeld. Andreas Cordes gibt dem Stück die souveräne Note und bringt die Familienzwistigkeiten zu einem - wenn auch nicht für alle - guten Ende.

Gratulation an die Requisite, die einmal wieder Unglaubliches in Sachen Kleidung, besonders Männerbekleidung, aus dem Hut zaubert. Gratulation auch an die Regie: Brigitte Schönecker konnte die Rollen sehr passend besetzen und hat eine runde Komödie entwickelt.

"Dat Hörrohr" ist wieder an den beiden kommenden Wochenenden (5./6. Juli und 12./13. Juli) zu sehen, jeweils sonnabends ab 20 Uhr und sonntags ab 16 Uhr. Gespielt wird zudem am Mittwoch, 2. Juli, und am Mittwoch, 9. Juli, jeweils ab 20 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro, für Kinder drei Euro.