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2007

Verdener Nachrichten 06.07.2007

Auch wenn’s gießt: Gespielt wird immer
Morgen Premiere im Daverdener Holz

Von unserer Mitarbeiterin
Anett Kirchner

 

LANGWEDEL-DAVERDEN. "Wir spielen immer - auch wenn’s pladdert", versichert Karin Sievers. Die Vorsitzende der Freilichtbühne Daverden erinnert sich an eine Aufführung, als 30 Leute bei strömenden Regen unter ihren Regenschirmen hervorriefen: "Weitermachen! Weitermachen!" Die Nähe zur Natur, frische Luft und plattdeutsche Tradition gehören zur Identität der Open-air-Bühne mitten im Daverdener Holz. Dahinter fließt die Alte Aller, ein romantisches Fleckchen. Die Anlage gleicht einem kleinen Amphitheater. Der Zuschauerraum fügt sich stufenförmig in den natürlichen Hang ein, die Holzbänke wurden selbst gezimmert. Bis zu 650 Leute finden hier Platz. Auf der Bühne stehen zwei massive Häuser.Die beherzte Theatergruppe hat 120 Mitglieder, darunter etwa 50 Darsteller, Techniker, Helfer und Förderer. Spielsaison ist von März bis Juli. Jedes Jahr stehen ein Märchen für Kinder und ein plattdeutsches Theaterstück auf dem Programm. Diesmal wird "Dat söte Leven" aufgeführt, morgen ist Premiere (20 Uhr). Autorin und zugleich Regisseurin ist Brigitte Schönecker. Sie arbeitet seit drei Jahren für die Freilichtbühne, hat früher im Bremer Waldau-Theater gespielt und zahlreiche Kinderstücke geschrieben.Die Daverdener bezeichnen sich als Amateurtheater. Das Wort "Laienschauspieler" gefällt ihnen nicht, dafür seien sie mittlerweile zu professionell. Regie, Regieassistenten, Schauspieler und Techniker nehmen regelmäßig an Workshops und Fortbildungsseminaren teil.Die Ursprünge der Freilichtbühne gehen auf das Jahr 1920 zurück. Damals wurde eine kleine Laienspielgruppe im TSV Daverden gegründet, zu dem die Bühne noch heute gehört. Sämtliche Mitgliedsbeiträge fließen in die Kasse des Vereins. Erwachsene zahlen jährlich 78 Euro, Kinder bis 18 Jahre sind mit 39 Euro dabei.Zunächst spielte die Laiengruppe im Saal der "Garben Diele", ab 1926 dann in der Turnhalle der Schule. Erst 1950 entstand die Idee einer Freilichtbühne. Der Geburtsort des Daverdener Open Air-Theaters war am so genannten Mondscheinweg im Daverdener Holz, wo es zur Eröffnung Shakespeares "Sommernachtstraum" gab."Der Zuschauerraum ist steil und gefährlich gewesen", erinnert sich Hans-Hermann Meyer. Die erste Freilichtbühne habe nur fünf Jahre existiert, bevor sie an den jetzigen Standort verlegt worden sei. Meyer ist bereits seit 1949 dabei, vor drei Jahren hat der 76-Jährige mit dem Schauspielerei aufgehört - aus gesundheitlichen Gründen. Heute kümmere er sich um organisatorische Dinge, sei sozusagen "Mädchen für alles"."Bei uns lernen die Neulinge von den alten Hasen", erklärt Meyer. Jeder, der Lust habe, könne mitmachen. Das Theaterspielen werde von Generation zu Generation weitergegeben. Es komme oft vor, dass Mutter und Tochter gemeinsam auf der Bühne stünden. Er selbst habe schon mit seiner Tochter und Enkelin zusammen gespielt."Das Schönste ist der Applaus", erklärt Guido Kedenburg. Anderen Menschen ein paar Stunden Freude zu geben - "das beflügelt" Deshalb nehme er auch die stressigen Seiten des Hobbys auf sich. Das Theaterspielen koste manchmal die gesamte Freizeit, berichtet der 42-Jährige. Er spielt seit 1987 auf der Daverdener Freilichtbühne und trat damit in die Fußstapfen seiner Mutter. Eines Tages wurde ein junger Mann gesucht. "Plötzlich war ich dabei!"Der Umgangston unter den Schauspielkollegen sei zwar manchmal rau, aber dennoch herzlich. "Wir gehen mit Kritik offen um", erklärt Karin Sievers. Ehrliches Miteinander und schnelles Verzeihen gingen Hand in Hand. Schließlich hätten alle eine gemeinsame Leidenschaft: Theaterspielen. "Das verbindet." Warum plattdeutsche Stücke? Die meisten der Schauspieler seien plattdeutsch aufgewachsen und fühlten sich der Sprache verbunden. "Für mich wäre es eine echte Enttäuschung, wenn wir plötzlich hochdeutsche Elemente einbinden würden", sagt die Vereinsvorsitzende.

 


Verdener Nachrichten

Blitz und Donner nur aus Pistolen
Indianermädchen trickst döspaddelige Bande aus



Von unserer Mitarbeiterin
Susanne Ehrlich

LANGWEDEL-DAVERDEN. Nein, eine Leuchte ist er nicht gerade, der Medizinmann des kleinen, friedlichen Indianerstammes mitten im Daverdener Holz. Doch mag er auch ein wenig vertrottelt sein: Immerhin hielt er die dunklen Regenwolken in Schach, so dass kein einziger Tropfen auf die versammelten Rothäute und Bleichgesichter fiel. Donner und Blitz kamen nur aus dem Revolver Hank Harpers, des schurkischsten alle Schurken. Obwohl die Premiere des Kinderstückes "Wilder Westen, große Taten" von Edelfried Hennig die Theatersaison 2007 mit "90-prozentiger Regenwahrscheinlichkeit" eröffnete, war ein erstaunlich zahlreiches und unerschrockenes Publikum erschienen. Durch solche Kleinigkeiten wie schlechte Wetterprognosen ließ es sich den Spaß nicht verderben, sondern erwartete mit Spannung den ersten Schuss.Wie im Wilden Westen üblich, mögen sich die Indianer und die Cowboys des Nachbarstädtchens nicht leiden. Nur das selbstbewusste und pfiffige Indianermädchen Aniki (Annalena Meyer) hat sich mit den Kindern der Bleichgesichter angefreundet.Der großspurige Häuptling Grauer Bär (Günther Kothe) sieht diese Kontakte gar nicht gern. Auch Anikis Mutter Rabana (Nicole Czember) kann immer nur rummeckern. Die beiden alten Rothäute giften sich gegenseitig an, wann immer sie können - und beide hacken sie auf Aniki herum.Bloß weil sie dem döspaddeligen Medizinmann (Uwe Witten) einen Pfeil in den Allerwertesten gejagt hat, wird sie mal wieder mit vereinten Kräften zusammengefaltet. Das ist zu viel. Sie läuft in den Wald und trifft ihre Freunde vom Cowboystädtchen. Beim Versteckspiel mit ihnen belauscht sie den miesen Hank (Volker Penczek), den "Mackie Messer des Wilden Westens".Um den Sheriff (Julian Ertel) zu erpressen, will er Anikis Schwester Ecila (Henrike Hensen) entführen. Die ist nämlich ein Halbblut, und der gerissene Fiesling hat herausgeschnüffelt, dass sein Erzfeind der Vater der Schönen ist - auch wenn man sich nicht so ganz ohne weiteres vorstellen kann, was der smarte Gesetzeshüter an der bärbeißigen Alten gefunden hat. Ist halt auch schon ein paar Jährchen her...Hank gibt seiner ungehobelten Bande (Guido Kedenburg als Randolph, Thea Henken als Doorsen, Fenja Meyer als Bart, Katharina Jahn als Goldcolt-Lilly) seine Anweisungen. Das ist nicht so ganz einfach, denn die Hellsten sind sie alle nicht. Und der arme Randolph stottert so schrecklich, dass das Kind bereits im Brunnen liegt, bevor er sein "V-v-v-v-orsicht" rausgebracht hat.Vor Anikis entsetzen Augen erwischen sie Ecila, die sich aber in einem unbewachten Moment befreien kann. Klar, dass die Banditen stinksauer sind und das Indianerdorf stürmen wollen. Mit viel List und Turbulenz rettet Aniki ihr Dorf und ihre geliebte Schwester, und die Banditen kommen hinter Schloss und Riegel.Die spannende Geschichte, erdacht von Edelfried Hennig, ist mit Musik eingerahmt. Eine kleine Combo spielt live neben der Bühne. Außer einigen flotten Liedern, die ebenso gut aus der Feder Rolf Zuckowskis stammen könnten, gibt es Duo-und Ensemble-Stücke, die direkt von der Bühne gesungen werden. Die Schauspieler müssen also auch gute Sänger sein. Mit Elan erledigte die Crew auch diese Aufgabe. Besonders hervorzuheben: die Ausdruckskraft und Intensität Volker Penczeks und Henrike Henkens, die sangen wie Musical-Profis.Mit toller Lebendigkeit und Natürlichkeit und zugleich mit bester Disziplin sorgten die kleinen Darsteller (Florian und Alessa Krebs, Magdalena Jahn, Nilas und Svea Junge, Leon, Niklas und Julian Penczek, Nina Kedenburg, Jule und Hanna Seliger, Arne Rode, Jannik Sievers, Sina Witten, Till Meyer) für Spannung und Tempo auf der Bühne. Die tollen Kostüme trugen ebenfalls zur richtigen Atmosphäre bei. Vor allem die kleinen Rothäute waren von Meisterhand geschminkt und ließen manch kleines Bleichgesicht im Publikum vor Neid noch mehr erblassen.Wer den Wildwest-Spaß ebenfalls erleben möchte: Weitere Vorstellungen gibt es noch am Mittwoch, 30. Mai, und Donnerstag, 31. Mai, ab jeweils 10 Uhr, am Sonnabend, 2. Juni, ab 19 Uhr, sowie am Sonntag, 3. Juni , ab 16 Uhr.




Verdener Aller Zeitung

Große Taten auf Freilichtbühne Daverden


Premiere für das Märchenstück "Wilder Westen" von Edelfried Hennig / Cowboys und Indianer

"Wilder Westen - Große Taten" heißt ja nun in dieser Saison das Märchenstück auf der Freilichtbühne in Daverden. Geschrieben hat die Geschichte und die ganze Musik dazu Edelfried Hennig, schon seit Jahren quasi der musikalische Leiter beim Daverdener Märchenstück. Wenn die Daverdener sich also ihr Stück gewissermaßen selbst schreiben, dann weckt das natürlich Erwartungen, vor der Premiere am vergangenen Sonnabend.
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Was also ist in diesem Jahr in Daverden zu sehen? "Büffelmist!!!" - wird in dem Stück gern gerufen, spielt bei der Banditenbekämpfung ein ganz entzückende Rolle - und trifft als Wertung für das Stück, die Leistung der Leute auf, neben und hinter der Bühne (jetzt ist aber genug mit Spannungsflitzebogen spannen): überhaupt nicht zu.

"Wilder Westen - Große Taten" ist ein echter Kracher, ein famoses Vergnügen für kleine und große Leute.

In der Geschichte vom Indianermädchen Aniki (Annalena Meyer) ist jede Menge Aktion drin. Was zum einen daran liegt, dass Aniki davon träumt, mal der erste weibliche Häuptling in ihrem Stamm zu sein, was dem amtieren Häuptling Grauer Bär (Günther Kothe) und seinem Sohnemann Kleiner Kojote (Florian Krebs) aber überhaupt nicht passt. Aniki macht nämlich nur "Büffelmist", behaupten die beiden. Das sehen Anikis Mama (Nicole Czember), das Halblut Ecila (Henrike Henken) und ihre vielen Freunde natürlich anders.

Dann wären da in der Cowboystadt neben dem Indianerdorf noch die fiesen Banditen mit ihrem Boss Hank Harper (Volker Penczek) vorneweg. Allerdings ist der Boss über seine Truppe durchaus kritisch. Ra-Ra-Ra-Randolph, der stotternde Revolverheld, (Guido Kedenburg), Doorsen (Thea Henken), Bart (Fenja Meyer) und Goldcolt-Lilli (Katharina Jahn) kriegen schon mal zu hören: "Idioten!" Und eigentlich kann man Harper nur zustimmen.

Edelfried Hennig hat seinen Auftritt als Pianomann im Saloon, Regisseur Uwe Witten bekommt als Medizinmann zur Freude der kleinen und großen Zuschauer einen Pfeil in den Hintern geschossen und der Sheriff (Julian Ertel) wird die Hilfe der kleinen tapferen Rothäuse noch bitter brauchen - und sie natürlich auch bekommen.

30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene geben auf der Bühne, die die Kulissenmannschaft gekonnt in ein Indianderdorf, einen Saloon und in einen Wald verwandelt, ihr Bestes, und das ist eine Menge. Zu einer spannenden und lustigen Geschichte gibt es wie nebenbei noch ein bisschen Pädagogik, es krachen die Pistolen und das Finale treibt das Abenteuer auf die Spitze.

Leider ist das hier unmöglich, alle fast 50 Akteure zu nennen. Da kann man wirklich guten Gewissens nur empfehlen: Ab auf die Freilichtbühne Daverden und das Stück gucken. Auf den Programmzetteln stehen alle Mitwirkenden. Am 2. Juni (19 Uhr) und am 3. Juni (16 Uhr) sind noch zwei Vorstellungen.

Das Vormittagstheater am Mittwoch und Donnerstag ist komplett bis unters Blätterdach der Freilichtbühne ausverkauft. Stehplätze am oberen Rand der Zuschauerränge mag die Freilichtbühne ihren Gästen nicht zumuten - und verweist fast schon entschuldigend auf die Vorstellungen am kommenden Wochenende.


Von Jens Wenck [29.05.2007]